Kongress der Kritischen Geographie, Tübingen, 29.09. – 01.10.2017

KKG_webflyer*** Übersicht über den KKG ***

Der Kongress der Kritischen Geographie (KKG) wird parallel zum Deutschen Kongress für Geographie (DKG) in Tübingen stattfinden. Wir wollen mit dem KKG der Kritischen Geographie in ihrer Breite eine Plattform schaffen und uns gemeinsam über die Geographien gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse austauschen. Der KKG wird die Form einer Fachtagung annehmen, zugleich aber die neoliberalisierten Praxen der exzellenten Universität aufbrechen und diesen eine solidarische Form der Wissenschaft entgegenstellen.

*** Unten findet sich eine Übersicht zu den eingereichten Vorschlägen. Entsprechende Beitragsangebote bitte direkt an die Sitzungsleiter*innen ***

Call for Gesamtübersicht der Kritischen Geographie
Neben dem KKG wollen wir eine Übersicht über kritisch-geographische Sitzungen in Tübingen erstellen und damit die Navigation beider Kongresse erleichtern. Zur Erstellung dieser Übersicht rufen wir die Fachsitzungsleiter_innen, die sich im Kontext der Kritischen Geographie verorten, dazu auf, uns die Details ihrer Sitzungen (Organisierende, Titel, Abstract, Vorträge, Zeit & Ort) bis zum 15.7.2017 als Word-Datei zu schicken.

Beiträge bitte an
Birgit Hoinle (birgit.hoinle@cluster-transformation.org)
& Tino Petzold (petzold@em.uni-frankfurt.de)

Call for Visuals
Wir suchen auch visuelle Beiträge zum KKG! In den Räumlichkeiten des Infö wollen wir während des Kongress visuelles Material aus kritisch-geographer Forschung und Militanz ausstellen. Sendet uns Karten, Fotos, Kunstwerke und Kritzeleien! (Postadresse bitte bei Paul Schweizer (schweizer@autistici.org) erfragen.

Organisatorisches
Das Programm wird sich an den timeslots des DKG orientieren, so dass ein Wechseln problemlos möglich sein wird. Am Fr., 29.09. ist abends ein Auftakt / Get together angedacht, die Sessions werden am Samstag & Sonntag stattfinden.

Ort
Der KKG wird im Interkulturellen Bildungszentrum Infö e.V. (Mauerstraße 2) stattfinden, fußläufig von Innenstadt, Universität und DKG entfernt.

Sitzungsvorschläge

*** Zum Anzeigen des CfPs jeweils ‘+’ klicken! ***

FS Bildung und Stadt: Neue Konzepte und Debatten (Verena Schreiber & Anika Duveneck)

Die Beziehung zwischen Städten und Bildung erfährt in den letzten Jahren einen dynamischen Wandel: Waren Städte bislang auf ihre Zuständigkeit als Schulträger beschränkt, sind sie heute Kristallisationspunkte und Motoren bildungspolitischer Entwicklungen. Mit der Fachsitzung möchten wir neue Perspektiven auf die Veränderungen eröffnen.

  1. Städtische Räume als Ressourcen der Bildungsinvestition:
    Mit dem Begriff „neoliberale Stadt“ wurde zuletzt eine stadtpolitische Ausrichtung auf ökonomische Ziele problematisiert. Bildung gilt dabei als Schlüsselfaktor im globalen Standortwettbe-werb. Städtische Strategien reichen von der Errichtung imposanter Bildungsarchitekturen bis hin zu pädagogischen Programmierungen ganzer Quartiere als Bildungslandschaften, die lokale Akteure als bislang unerschlossene Ressourcen für Bildungsprozesse betrachten. Wir freuen uns über Beiträge zu den Prozessen und Effekten solcher Aktivitäten.
  2. Städtische Räume als Produktionsstätten und Ausdruck von Bildungsungleichheit:
    Der Zugang zu Bildung stand noch nie allen Menschen gleichermaßen offen. Die in Deutschland bereits in der dreigliedrigen Schulstruktur angelegte Selektivität wird durch sozialräumliche Pola-risierungen in der Stadt und diskursive Stigmatisierungen von Stadtteilen als „soziale Brennpunkte“ noch verstärkt. Wir begrüßen Beiträge, die Zusammenhänge zwischen Segregation und Bildungsungleichheit herausarbeiten und Strategien lokaler Bildungspolitik sowie individuelle Selek-tionsstrategien von Schulen und Eltern unter diesem Gesichtspunkt beleuchten.
  3. Städtische Räume als Aushandlungsorte bildungspolitischer Diskurse:
    Städtische Plätze dienen als Arenen zur öffentlichen Verhandlung bildungspolitischer Debatten. Jüngste Beispiele sind die Proteste rechtskonservativ‐klerikaler Bündnisse gegen die Aufnahme des Themas „Sexuelle Vielfalt“ in die hessischen und baden‐württembergischen Bildungspläne. Wir freuen uns über Beiträge zum Verhältnis zwischen öffentlichen Räumen, körperlicher und medialer Präsenz und bildungspolitischen Forderungen.
  4. Städtische Räume als Erprobungsfelder informellen Lernens:
    Das Aufwachsen in Städten ist entgegen kulturpessimistischen Perspektiven nicht nur ein Prozess der Entbehrung und Isolation. Vielmehr bringen junge Menschen in ihrem alltäglichen Handeln maßgeblich das, was wir als städtisches Leben bezeichnen, praktisch hervor. Erwünscht sind Beiträge, die untersuchen, wie Kinder ihnen zugewiesene Räume herausfordern und welche Lernor-te sie sich jenseits institutionalisierter Bildung aneignen.

Wir freuen uns auf Ihr Vortragsangebot an duveneck@institutfutur.de und verena.schreiber@ph-freiburg.de!

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FS 150 Jahre Das Kapital: Soziale Frage, Klassenverhältnisse und Arbeitskämpfe heute (Bernd Belina & Stefanie Hürtgen)

In der Session diskutieren wir, wo und wie die Analyse des vor 150 Jahren erstmals publizierten Hauptwerks von Karl Marx für unsere heutige theoretische und empirische Auseinandersetzung mit der Welt relevant ist. Dabei soll die Perspektive auf „Arbeit“ im Zentrum stehen. Wo und wie helfen uns Kategorien wie konkrete und abstrakte Arbeit, Arbeitskraft und ihre Reproduktion, Wertbestimmung und Verwertung, Gebrauchswert, Ausbeutung und Klassenverhältnisse, der Mensch als gesellschaftliches Naturwesen u.a. dabei, aktuelle Entwicklungen und Zumutungen theoretisch in den Griff zu kriegen? Was haben diese zunächst strukturtheoretischen Bestimmungen aus Das Kapital mit aktuellen sozialen Praxen, vom (widerständigen) Alltagshandeln bis hin zu Arbeitskämpfen, zu tun?
Ziel der Session ist es, in einen Austausch zu Aktualität und Nutzen von Kategorien und systematischen Zusammenhängen, wie sie in Das Kapital entwickelt wurden, zu treten. Wir freuen uns über Vorschläge für 10-minütige Inputs, die empirische, gegenstandsbezogene, zeitdiagnostische und dabei geographische aktuelle Forschungen rund um die Soziale Frage, Klassenverhältnisse und Arbeitskämpfe heute einbringen.
Interessensbekundungen mit Titel und Abstract von 100-250 Worten bitte bis spätesten 20. August 2017 an:
Stefanie Hürtgen <stefanie.huertgen@sbg.ac.at>
Bernd Belina <belina@em.uni-frankfurt.de>

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Workshop Kritische Lehre – Blinder Fleck einer kritischen Geographie? (Matthias Naumann & Thomas Bürk

Kritische Ansätze haben in den letzten Jahren auch in der deutschsprachigen Geographie Anerkennung erfahren und sind zu einem festen Bestandteils des Kanons der Disziplin geworden. Während eine kritische Geographie in der Forschung mittlerweile relativ etabliert scheint, bleibt jedoch weitgehend unklar, was eine kritisch-geographische Perspektive für die Hochschullehre, also für Lehrende und Studierende gleichermaßen, bedeutet. Die Fachsitzung thematisiert daher die Spannungsfelder, Möglichkeiten und Grenzen kritischer Lehre in der Geographie.
Kritische Lehre bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen pädagogischen Ansprüchen, didaktischen Annahmen sowie den Vorgaben einer neoliberalen Wissenschaftspolitik. Das Engagement in der Lehre steht dabei vor der Herausforderung, dass über wissenschaftliche Karrieren vor allem anhand von Publikationen und Drittmitteln entschieden wird. Eine gute bzw. kritische Lehre wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Darüber hinaus bewegt sich kritische Lehre im Kontext der Modularisierung von Studiengängen, einer zunehmenden Elitenorientierung der Hochschulen und der Ökonomisierung der Lehre durch eine starke Ausrichtung an Studierenden- und Absolventenzahlen. Die Erprobung und Entwicklung kritischer Lehre ist damit auf individuelle Spielräume angewiesen. Hochschullehre wird immer noch eher als notwendiges Übel denn als anerkannte und zu reflektierende Leistung betrachtet. Die aktuellen Bemühungen um eine bessere Lehre an den Hochschulen umfassen vor allem didaktische Konzepte der Optimierung von Studienleistungen und Veranstaltungsabläufen. Eine grundsätzliche Infragestellung bisheriger Lehre und deren Rahmenbedingungen steht hingegen noch aus. Kritische Ansätze in der Hochschullehre könnten hier ansetzen und die gesellschaftlichen Verhältnisse von Wissensproduktion und -vermittlung auf die Agenda der Geographie setzen.
Die Fachsitzung diskutiert die Möglichkeiten kritischer Lehre, etwa hinsichtlich der Frage, wie Ansätze kritischer bzw. anarchistischer Pädagogik in der Geographie aufgegriffen werden können. Weitere Beispiele betreffen die Verknüpfung von Arbeitskämpfen in der Wissenschaft mit Fragen guter Lernbedingungen, die Potentiale und Risiken experimenteller und digitaler Lehrmittel sowie die grundsätzliche Frage zum Zusammenhang zwischen Form und Inhalt in der Lehre. Die Sitzung liefert damit Anregungen nicht nur für eine sich als kritisch verstehende Humangeographie, sondern auch für die geographische Bildung insgesamt.

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Workshop "Perspektiven auf Gleichheit, Gerechtigkeit, Verantwortung in der feministischen Geographie“ (Sybille Bauriedl u.a.)

Dem Anspruch nach Gerechtigkeit und Verantwortung in der wissenschaftlichen Praxis wird in der feministischen Geographie mit einer Auseinandersetzung um Positionalität, Reflexivität und Intersektionalität begegnet. In dem Workshop soll es darum gehen, das Wissen um Intersektionalität in der eigenen Disziplin sowie den Austausch über Erfahrungen mit empirischer und politischer Praxis im Umgang mit diesen Ansätzen zu fundieren. Damit wird im Rahmen des Kongresses die Frage verfolgt: Was ist „kritisch“ an der feministischen Geographie?

„Spurensuche: Beiträge von Frauen in der deutschsprachigen Hochschulgeographie seit den 1920er Jahren“
Input Boris Michel

„Reflexion: Feministische Geographie als kritische Geographie“
Input Anne Vogelpohl (angefragt)

„Positionalität: Forschung zu Geographie und Geschlecht oder feministischer Geographie
Input Sybille Bauriedl, Caro Schurr (angefragt)

Weitere Beiträge sind willkommen…

Format des Workshops:
ca. 2 Stunden mit Inputs, Arbeitsgruppenrunden und Plenumsdiskussion.
Geplant ist ein Ergebnisbericht, der im Newsletter des AK Geographie und Geschlecht veröffentlicht wird.

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Workshop Partizipation zwischen Dienstbarkeit und Emanzipation – Herausforderungen für PPGIS und Spatial Citizenship im Rahmen geographischer Bildung (Jana Pokraka, Denise Könen, Inga Gryl, Swantje Weis & Claudia Scharf)

→ Workshop mit World-Café

Der Workshop zielt darauf ab, Wege zu entwickeln, wie die Übernahme von Partizipation(sbereitschaft) durch kontraproduktive Tendenzen wie Neoliberalismus, Konservativismus und Paternalismus (Maternalismus), die einer emanzipatorischen Praxis und einem humanistischem (Bildungs-)Ideal entgegenstehen, vermieden werden kann. Dies soll am geographisch relevanten Beispiel der Neocartography im Rahmen von Public Participation GIS bzw. Counter Mapping geschehen, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem einfache geomediale Anwendungen nutzenden Bildungsansatz Spatial Citizenship liegt, welcher Beteiligung an geographischen Entscheidungsprozessen bzw. sozialer Raumkonstruktion über die Produktion niedrigschwelliger Geomedien vorschlägt. Es sollen Fragen nach Möglichkeiten des Widerstandes gegen hegemoniale Deutungsmuster, gegen Indienstnahme durch bestehende Machtverhältnisse und gegen die Reproduktion und Verfestigung Ungleichheit schaffender Strukturen bei der Anwendung geomedial kommunizierter und angeregter Beteiligung diskutiert werden.
Der Workshop besteht in einem kurzen Impulsvortrag, der Arbeit an Versatzstücken aus der Literatur und im Schwerpunkt in einem World-Café sowie einer anschließenden offenen Diskussion, die Raum für die Debatte um den Input bieten.

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FS Genealogien Kritischer Stadtforschung (Boris Michel & Nikolai Roskamm)

tba

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FS Urban food souvereignty im Globalen Süden und im Globalen Norden

In den letzten Jahren rückten Fragen der food sovereignty und food security (vgl. Jarosz, 2014) immer mehr in den Blickpunkt der geographischen Forschung. Food sovereignty ist ein Konzept, welches ursprünglich von sozialen Bewegungen des Globalen Südens – der La Vía Campesina – als Kritik an dem aktuellen Modell globalisierter Landwirtschaft hervorgetragen wurde. In den letzten Jahren wird die Relevanz von Ernährungssouveränität zunehmend von Bewegungen in den Städten des Globalen Südens wie auch des Globalen Nordens aufgegriffen. Dies nehmen wir zum Anlass, einen Raum für Beiträge sowohl aus der einen als auch der anderen Forschungsperspektive zu schaffen, um zusammen Ansatzpunkte für eine vergleichende Perspektive zu entwickeln.
Konzeptionell richten wir den Fokus auf globale, globalisierte und periphere Orte (vgl. Scholz 2002) in urbanen Räumen – sowohl im Globalen Süden als auch im Globalen Norden. Schließlich sind innerhalb einer Stadt verschiedene food scapes (vgl. Miewald & McCann 2014) vorzufinden, die unterschiedlich strukturiert sind. Ihre Elemente sind beispielsweise global vernetzte Supermärkte wie auch lokal und regional eingebundene corner shops, Netzwerke solidarischer Landwirtschaft oder Urban Gardening Initiativen.
Dabei ist festzustellen, dass bestimmte Personengruppen an diesen food scapes teilhaben können, während andere von diesen Dynamiken exkludiert zu sein scheinen. Diese Strukturierung kommt nicht zufällig zustande; vielmehr resultiert sie aus einem Zusammenspiel ungleicher ökonomischer Strukturen wie auch sozialer Praktiken, die sich räumlich in der Stadtlandschaft niederschlagen. Eine Verknüpfung des Forschungsfelds „Essen in der Stadt“ mit den zugehörigen sozialen, ökologischen und ökonomischen Kontexten ist daher unabdingbar. Dabei stellen sich in den Städten des Globalen Südens wie auch des Globalen Nordens die Frage nach Zugang, Inklusion und Exklusion.
Mit der Fachsitzung möchten wir eine Plattform zum Erfahrungsaustausch anbieten, wie das Thema Ernährung in der Stadt heute beforscht werden kann. Daher rufen wir zu Beiträgen auf, die in konzeptioneller Hinsicht oder aus empirisch-angewandter Sicht Antworten zu den folgenden Fragestellungen bieten:
• Wie erforschen wir Ernährung in der Stadt aus einer kritischen Perspektive?
• Welche Forschungsarbeiten im Globalen Norden und im Globalen Süden bieten neue Erkenntnisse im Hinblick auf urban foodscapes und urban food sovereignty?
• Welche politischen und stadtplanerischen Implikationen hat das Thema Ernährung in der Stadt? Welche Lösungsansätze gibt es bereits, die über die individuelle Maßstabsebene der Konsumierenden hinausweisen?

Wir freuen uns auf interessante Präsentationen und eine spannende Diskussion!

Kurze Abstracts bis zum 01.05. 2017 bitte an Birgit Hoinle (birgit.hoinle@cluster-transformation.org) und Christine Wenzl (cwenzl@uni-bonn.de).

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Kolonialität weißer Geographien (AG Kritische Geographien Globaler Ungleichheiten)

Ein Workshop für gemeinsames Reflektieren alltäglicher Praktiken, Positionierungen und Verwicklungen.
Alle, die Lust darauf haben, sich kritisch mit sich und ihrem Geographie-Machen auseinander zu setzen, sind herzlich eingeladen.

Kontakt:
Tobias Schmitt | tobias.schmitt@uni-hamburg.de

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FS Perspektiven einer kritisch-geographischen Verkehrs- und Mobilitätsforschung (Gregg Culver & Jakob Hebsaker)

Die Verkehrs- und Mobilitätsforschung hat in den letzten Jahren neuen Schwung erfahren, einerseits über ihre zunehmend interdisziplinäre Ausrichtung, andererseits auch über eine Öffnung hin zu neuen Methoden. Dennoch sind dezidiert gesellschaftskritische Ansätze in der geographischen Verkehrs- und Mobilitätsforschung bisher kaum präsent – zu Unrecht, wie wir finden. Schließlich ist Mobilität nicht nur ein wesentlicher Aspekt des menschlichen Lebens; gerade in einer zunehmend neoliberalen, globalisierten, urbanisierten und industrialisierten Welt und dem ihr scheinbar inhärenten Drang nach immer größerer Beschleunigung von Menschen, Informationen, Gütern und Kapital, spielen Mobilität und Verkehr heute eine wichtigere Rolle denn je. Dabei offenbaren die unterschiedlichen Formen geographischer Raumüberwindung eine Vielzahl an Befähigungen und Einschränkungen, an positiven wie negativen Folgen.
In dieser Sitzung möchten wir einerseits einen Raum für Fachbeiträge bieten, die Mobilität und Verkehr aus verschiedenen gesellschaftskritischen Perspektiven beleuchten. Andererseits sind auch Beiträge willkommen, die sich damit auseinandersetzen, ob und wie Aspekte von Mobilität und Verkehr die Themenfelder kritisch-geographischer Forschung und kritischer Praxis ergänzen können.
Mögliche Themenfelder sind:
• die diskursive bzw. materielle (Re)Produktion gesellschaftlicher Machtverhältnisse durch verkehrspolitische Praxis, Verkehrssysteme, Verkehrstechnologien oder die Priorisierung bestimmter Fortbewegungsweisen und Verkehrsträgern
• die diskursive bzw. materielle (Re)Produktion von mobilen Räume, Verkehrssysteme und Mobilitätsverhalten durch politische und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse,
• Mobilität und Gerechtigkeit (z.B. Mobilitätsarmut, Nulltarif, sozial-ökologische Ungleichheiten)
• das empirische/methodologische Potenzial und Herausforderungen von kritisch-geographischer Verkehrs- und Mobilitätsforschung,
• und allgemein die Übertragbarkeit kritischer Gesellschaftstheorien auf die Mobilitäts- und Verkehrsforschung.

Kontakt:

Gregg Culver, PhD
culver@uni-heidelberg.de
Universität Heidelberg
Geographisches Institut
Arbeitsgruppe Geographie Nordamerikas

Jakob Hebsaker, MA
hebsaker@geo.uni-frankfurt.de
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Humangeographie
Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung

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FS History < - > Place: emanzipatorische und aktivistische Zugänge in der FD Geographie (Christiane Hintermann & Thomas Jekel)

Die erinnerungskulturelle Ausgestaltung des öffentlichen Raumes spiegelt gesellschaftliche Machtverhältnisse wieder (z.B. Hayden 1997; Assmann 2009). Welche und wessen Geschichte/n im öffentlichen Raum wie erinnert werden, ist eng verknüpft mit Fragen gesellschaftlicher Anerkennung auf der einen Seite und Exklusion oder Marginalisierung auf der anderen Seite. Orte und Räume der Erinnerung beziehen sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern haben einen immanenten Gegenwartsbezug. Denkmäler oder Straßen(um)benennungen sind bewusst gesetzte Markierungen im öffentlichen Raum (Stachel 2007). Sie sind Produkt und Gegenstand gesellschaftspolitischer Kontroversen sowie Indikatoren symbolischer Macht und repräsentationaler Ungleichheit. Das (Un)Sichtbarmachen von Erinnerungen im öffentlichen Raum ist letztlich eine Auseinandersetzung um dessen Verfügbarkeit und Aneignung in materieller und symbolischer Hinsicht. Who has the right to space? ist nicht nur eine der zentralen strukturierenden Fragen in der Geographie als Fachwissenschaft, sondern Ausgangspunkt und Zieldimension der Fachdidaktik Geographie.

Emanzipatorische und aktivistische Zugänge (Vielhaber 2001; Mitchell & Elwood 2013; Gordon, Mitchell & Elwood 2016) zu Bildung gehen über die Beschreibung und Analyse einer bestimmten historisch gewachsenen Situation hinaus, und damit über die in den Kompetenzmodellen unter dem Anforderungsbereich III gefassten Tätigkeiten: Sie mischen sich ein, sie verwenden die Analyse als Hilfsmittel bei der Entwicklung des politischen Subjekts (Mitchell & Elwood, 2016). Sie stellen damit ein Beispiel der Education for Spatial Citizenship (Gryl & Jekel 2012; Jekel, Gryl & Schulze, 2015) dar. Ziel ist (nicht nur) die Analyse und Reflexion, sondern die aktive Gestaltung und Teilhabe an gesellschaftlicher Entwicklung im Rahmen von Bildungsprozessen (vgl. z.B. Hintermann & Pichler 2015). Dabei ist neben der Aufdeckung blinder Flecken in der gesellschaftlichen Wahrnehmung insbesondere auch der Versuch gemeint, gesellschaftliche Praxis über geeignete Kommunikationsmedien – unter Berücksichtigung verfassungsmäßiger Rechtslagen und der Menschenrechte – zu ändern.

Die Fachsitzung lädt sowohl zu theoretischen Annäherungen an emanzipatorische Ansätze zu Orten der Erinnerung (realer und virtueller Natur) ein, als auch, und insbesondere theoriegeleitete Beispiele für die schulpraktische Umsetzung einer aktivistischen, emanzipatorischen Didaktik.

Kontakt: thomas.jekel@sbg.ac.at und christiane.hintermann@univie.ac.at

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FS „Large Phenomena“ in der Geographie und die Relevanz von Praktikentheorien (Jonathan Everts & Jan Winkler)

Geographische Forschung nach dem „practice turn“ (Schatzki et al. 2001; Everts et al. 2011) setzt vielfach Alltag und alltägliche Praktiken in den Mittelpunkt der Betrachtung. Neuere Arbeiten haben sich z.B. mit Praktiken der Sprachvermittlung (Lahr-Kurten 2012), des ortbezogenen Erinnerns (Maus 2015) oder mit (Un-)Sicherheiten im alltäglichen Handeln (Haubrich 2015) beschäftigt. Aktuell wird jedoch zunehmend die Frage gestellt, welche Erklärungsansätze Praktikentheorien im Hinblick auf „große“ Phänomene bieten wie z.B. Finanzkrisen, das globale Gesundheitssystem oder den Klimawandel. Die gesellschaftliche Relevanz von Praktikentheorien hängt auch davon ab, ob und inwieweit es gelingt mit ihrer Hilfe „large phenomena“ (Schatzki 2016) zu fassen. Was kann durch theoretische Ansätze, deren analytischer Fokus auf die Komposition sozialer Praktiken gerichtet ist, über Gesellschaft bzw. über gesellschaftliche Zusammenhänge und übergeordnete Kräfteverhältnisse gelernt werden?

Für die Fachsitzung laden wir Beiträge ein, die sich dezidiert mit der Frage der Relevanz von Praktikentheorien auseinandersetzen sowie Möglichkeiten diskutieren, wie „große Phänomene“ aus der Perspektive der Praktikentheorien empirisch untersucht werden können. Explizit erwünscht ist eine Bezugnahme auf die Arbeiten von T. Schatzki zu „large phenomena“. Offen ist die Sitzung aber auch für andere Zugänge, z.B. aus der Perspektive der Akteur-Netzwerk-Theorie, der Object Oriented Philosophy, der Non-Representational Theory oder des Pragmatismus.

Beitragsangebote werden erbeten an Jan Winkler (jan.winkler@fau.de) und Jonathan Everts (jeverts@uni-bonn.de).

Everts, J., Lahr-Kurten, M. and Watson, M. (2011): Practice matters! Geographical inquiry and theories of practice. In: Erdkunde 65(4), 323-334.
Haubrich, D. (2015): Sicher unsicher. Eine praktikentheoretische Perspektive auf die Un-/Sicherheiten der Mittelschicht in Brasilien. Bielefeld: transcript Verlag.
Lahr-Kurten, M. (2012): Deutsch sprechen in Frankreich. Praktiken der Förderung der deutschen Sprache im französischen Bildungssystem. Bielefeld: transcript Verlag.
Maus, G. (2015): Landscapes of memory: a practice theory approach to geographies of memory. In: Geographica Helvetica 70, 215-223.
Schatzki, T., Knorr Cetina, K. and Savigny, E. (Hrsg.) (2001): The practice turn in contemporary theory. London: Routledge.
Schatzki, T. (2016): Keeping Track of Large Phenomena. In: Geographische Zeitschrift 104(1), 4-24.

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Workshop Um/Bildungen. Radikale Pädagogik als revolutionärer Ansatz der Gesellschaftsveränderung (Ferdinand Stenglein)

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Workshop Geographie der Macht – Macht der Geographie (Jan Hutta & Tobias Schmitt)

Die Frage der Macht durchzieht aktuelle geographische Arbeiten von der Beschäftigung mit veränderter Souveränität über die Analyse von verräumlichten Sicherheitsdispositiven bis hin zu Kritiken kapitalistischer Produktionsverhältnisse, rassistischer Ausschlüsse oder der binär-hierarchischen Geschlechterordnung. Je nach Forschungsansatz ist etwa von der Macht der Akteure oder der Repräsentationen, der Märkte oder der Affekte die Rede. Legen die einen den Fokus auf Dominanzstrukturen und hegemoniale Machtformationen, stehen bei anderen Formen der Subversion und des Widerstands im Vordergrund. Und während sich Macht für die Einen in (dominanten) Akteuren und Institutionen verorten lässt, sehen sie Andere als relational, dispers und immanent.
Wir möchten uns in diesem Workshop über unterschiedliche konzeptuelle Ansätze zur Machtanalyse sowie forschungspraktische Vorgehensweisen austauschen. Dazu sollen zunächst Teilaspekte der Thematik anhand kurzer Inputs vorgestellt und anschließend in Kleingruppen vertiefend diskutiert werden.

Hierzu laden wir zur Einreichung von Vorschlägen zu Kurzinputs (5-10 Min.) ein, die die Form von Thesen, Problemstellungen, Fragen oder Beispielen aus der eigenen Forschung haben können.

Speziell können etwa einzelne Aspekte der folgenden Ebenen behandelt werden:
Machtkonzepte:
• Was für ein Konzept von Macht wird der Analyse zugrunde gelegt? Auf welche Akteure, Dinge oder Prozesse wird Macht dabei bezogen?
• Welche Zugänge – etwa system- oder handlungstheoretisch, regime- oder diskursanalytisch – sind für die Analyse bestimmter historischer oder aktueller Machtgeographien besonders geeignet?
• Wie unterscheidet sich das eigene Machtverständnis von anderen Machtkonzeptionen und welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus?
Bezüge zu weiteren Analyseebenen:
• Inwiefern lassen sich unterschiedliche Machtformen und Analyseebenen kombinieren, oder wo schließen sich die Perspektiven wechselseitig aus?
• Welche weiteren Konzepte – wie Hegemonie, Klientelismus, Dispositiv, Kolonialismus, Intersektionalität – werden mit Fragen der Macht in Verbindung gebracht?
• In welchem Bezug stehen Machtformationen zu Ökonomie, Regierungsformen, Institutionen, Geschlechterverhältnissen, sozialen Bewegungen oder dem Alltagshandeln?
Forschungspraktisches Vorgehen:
• Wie kann eine konkrete (empirische) Machtanalyse aussehen?
• Welche Rolle spielt geographische Wissensproduktion in der Reproduktion oder Veränderung von Machtverhältnissen?
• Inwiefern sind wir als Forschende in Machtverhältnisse eingebunden? Inwiefern reproduzieren wir sie über unsere Forschung? Welche Möglichkeiten des Aufbrechens können dabei gedacht werden?

Anstelle umfassender Einzelpräsentationen streben wir einen Austausch zwischen vielfältigen und kontroversen Einzelaspekten an. Dafür sollen die Einreichungen jeweils konkrete Stoßrichtungen vorgeben, die wir in wechselseitigen Bezug zueinander bringen und im Vorfeld – im Austausch mit den Referierenden – weiter zuspitzen möchten.

Vorschläge, Ideen, Nachfragen an:
Jan Hutta | janhutta@uni-bayreuth.de
Tobias Schmitt | tobias.schmitt@uni-hamburg.de

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