Forschungswerkstatt Kritische Geographie 2018 – CfP

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Im Herbst 2008 fand die erste Forschungswerkstatt Kritische Geographie statt – sie hatte den Anspruch, Raum für eine explizit kritische Debatte geographischer Inhalte zu schaffen. So wie dieser Anspruch in den letzten 10 Jahren an vielen verschiedenen Orten eingeholt wurde, so freuen wir uns ganz besonders, im Juni 2018 in Frankfurt a.M. diese Reihe mit der Jubiläumsforschungswerkstatt zu feiern und fortzuschreiben. Im Call zur ersten Forschungswerkstatt hieß es:

„Kritische Geographie kann in der BRD bestenfalls auf eine Geschichte am Rande der Disziplin zurückblicken. Theorieströmungen, politische Initiativen und Themen, die für andere Disziplinen und für die Geographie anderswo prägend waren – etwa marxistische, feministische und antirassistische Debatten –, waren und sind hierzulande entweder Randphänomene oder vollkommen außen vor.“

Nicht zuletzt als Ergebnis der Forschungswerkstätten ist Kritische Geographie mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum ein etabliertes Projekt. Dessen Grundkoordinaten sind auch weiterhin die kritische Analyse von und Intervention in die Geographien gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse.

Die erste Forschungswerkstatt fand in der Frühphase dessen statt, was sich nur wenig später zu einer tiefgreifenden globalen Vielfachkrise der gesellschaftlichen Verhältnisse entwickelte. Diese besteht unter anderem in einer Transformation der Klassenverhältnisse: Verelendung, Rückkehr der Wohnungsfrage und Prekarisierung stehen in Beziehung zur Konzentration des Reichtums, Steuerskandalen, Betongold und Privatisierungen. Dazu erleben wir eine Neuordnung der Geschlechterverhältnisse, die etwa in (den Geographien) der Krise der Care-Arbeit und Antifeminismus, aber auch der Veränderung der staatlichen Regulation von Geschlecht, #MeToo und #4GenderStudies zu Tage tritt. Das tödliche Grenzregime, Racial Profiling, der Aufstieg der Neuen Rechten und die Reartikulation nationalistischer Positionen und Identitäten existieren gleichzeitig zur Solidarität des Sommers der Migration und den Kämpfen für die Rechte auf Bleiben und Stadt. Die gesellschaftlichen Naturverhältnisse sind zwischen COP 23, imperialer Lebensweise, Ende Gelände und Degrowth Schauplatz sozialer und politischer Kämpfe. Und nicht zuletzt steht die Krise der Demokratie – autoritäres Durchregieren, Repression, Ausnahmezustand und politische Desillusionierung – in einem Spannungsverhältnis zu den demokratischen Aufbrüchen auf den Plätzen, in den Kommunen und im Alltag.

Kurzum: Das zehnjährige Jubiläum findet im Kontext einer vielfach gespaltenen und umkämpften Gesellschaft und ihrer geographischen Verhältnisse statt. Vor diesem Hintergrund wollen wir mit der Forschungswerkstatt 2018 eine Plattform schaffen, um die Geographien dieser Vielfachkrise in ihrer Breite zu analysieren und uns im Sinne einer Angewandten Kritischen Geographie über Interventionen auszutauschen. Sicherlich bietet gerade das Jubiläum die Gelegenheit, darüber zu diskutieren, inwiefern Erfahrungen und Debatten aus den letzten 10 Jahren für heutige Analysen und politische Praxis fruchtbar gemacht werden können.

Call for Participation

Cfp als pdf

Wir stellen uns eine Forschungswerkstatt vor, welche die Erfahrungen und Einsichten aller an Kritischer Geographie Interessierter produktiv verbindet. Dazu wollen wir versuchen, den Wünschen und Bedürfnissen der unterschiedlichen Gruppen Raum zu geben: Neueinsteiger_innen, Studierende, etablierte(re) Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen. Vor dem Hintergrund, dass bei den bisherigen Forschungswerkstätten ein Großteil des Programms von Postgraduierten gestaltet wurde, begrüßen wir insbesondere studentische und aktivistische Beiträge!

Wir freuen uns in diesem Sinne auf zahlreiche Beitragsvorschläge. Eingereicht werden können diese entweder in dem für die gesamte Breite Kritischer Geographie offenen CfP oder in einem der drei folgenden Themenschwerpunkte (mit jeweils eigenem kurzen CfP auf der nächsten Seite):

  1. Neo-Nationalismus und die Neue Rechte
  2. Kritische Geographie braucht (queer-)Feminismus!
  3. Bildet Kritische Geographien!

Entweder im offenen oder in einem der themenspezifischen Calls bitten wir um die Einreichung von:

a. Vorschlägen für Einzelbeiträge:
Das können Vorträge und thematische Inputs, Vorstellungen von (Ideen für) Studienarbeiten, Berichte über Work-in-Progress, Erfahrungen aus Aktivismus und politischer Arbeit, usw. sein. Die Einzelbeiträge sollen kurz sein (10 – 15 Minuten) und – dem Charakter einer Forschungswerkstatt entsprechend – offene Fragen thematisieren und/oder Diskussionsanstöße generieren.

ODER

b. Vorschlägen für Sitzungen (90 – 120min.):
Möglich sind verschiedenste Beitragsformate, seien dies Workshops, Diskussionen im Plenum, Fishbowls, Lesekreise und gemeinsames Filmschauen, Performances, Exkursionen, Ideen für Abendveranstaltungen oder Party-Patenschaften, Erfahrungsaustausch aus Aktivismus und politischer Arbeit, usw. Wir freuen uns sowohl über bereits ausgefeilte Sitzungskonzepte oder einen CfP für die Sitzung, den wir gern auf der Homepage veröffentlichen und bewerben.

Falls Ihr einen Beitrag einreichen wollt, bitten wir Euch um folgende Informationen, damit die Planung der Forschungswerkstatt in die nächste Runde gehen kann:

  • Beitrag für offenen oder einen der thematischen Calls?
  • Titel & kurze Beschreibung des Einzelbeitrags (max. 150 Wörter) …
  • ODER: Konzeption oder CfP der Sitzung (für Veröffentlichung auf Homepage)

Bitte sendet uns Eure Vorschläge spätestens bis zum 28. Februar 2018 an fowe18@protonmail.com! Eure Fragen erreichen uns dort ebenfalls.

Themenschwerpunkte

Neo-Nationalismus und die Neue Rechte

Der nunmehr auch parlamentarisch manifeste Zulauf zur Neuen Rechten wirft sowohl für weite Teile des bürgerlichen Lagers als auch für linke und antirassistische Bündnisse viele Fragen auf. Eine kritische Geographie steht hier vor der komplexen Aufgabe, Analyseansätze zu entwickeln, welche es vermögen, die Zusammenhänge von strukturellen Entwicklungen und lokalräumlichen Differenzierungen aufzuzeigen. Dies kann etwa durch die Betrachtung von rassistisch- völkischen und nativistischen Raumkonzepten, Formen der Kartierung der Neuen Rechten oder der historisch-geographischen Analyse von (neo)nazistischer Organisierung, Aktionsformen und Vernetzung geschehen. Die FoWe soll darüber hinaus auch Raum bieten, Erfahrungen von People of Colour und Geflüchteten im Umgang mit strukturellem Rassismus und rechter Gewalt sowie Erkenntnisse aus antirassistischen, feministischen und antifaschistischen Kämpfen zu diskutieren, um auf dieser Basis einen Beitrag für wirksame Gegenstrategien entwickeln zu können.

Kritische Geographie braucht (queer-)Feminismus!

Feministische Geographien sind immer schon kritisch, da patriarchale und heteronormative Machtverhältnisse im Fokus ihres Interesses stehen. Dass auch kritische Geographien eigentlich immer feministisch sein sollten, wird aber häufig vergessen. Wir möchten deshalb die Forschungswerkstatt dazu nutzen, eine stärkere Sichtbarkeit für Machtbeziehungen um Geschlecht und Sexualität in kritisch-geographischen Debatten zu schaffen. Wir wollen u.a. diskutieren, wie diese mit anderen Hierarchisierungs- und Diskriminierungsformen (Kapitalismus, Rassismus, Klassismus usw.) verschränkt sind, dabei auch eine globale Perspektive einnehmen und Kämpfe weltweit mit einbeziehen. Wir wollen sowohl solche Forschungs- und politischen Projekte in den Blick nehmen, die explizit patriarchale Machtverhältnisse thematisieren (z.B. Verhandlung von sexueller und geschlechtlicher Identität, Frauen*kämpfe, Frauenbilder der Neuen Rechten), als auch überlegen, welche Implikationen queere oder feministische Ideen für unsere (Forschungs-)Arbeit und den Alltag haben (z.B. feministische Haltung in der Lehre, Forschungsmethoden, Empowerment).

Bildet Kritische Geographien!

Im Zuge der Neoliberalisierung wurde auch die Universität nicht verschont: Im Zeichen der Exzellenz gilt es, in einer wettbewerbsförmigen Umgebung zu bestehen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf alle Statusgruppen an der Uni, sondern auch auf die Weise, wie (kritisches) Wissen akademisch produziert und gesellschaftlich (nicht) wirksam wird. Wir möchten uns deshalb im Rahmen der Forschungswerkstatt gemeinsam die Frage stellen, was eine Kritik der (neoliberalisierten) Universität leisten kann und welche Strukturen, Inhalte und Methoden kritische Bildung – sowohl in der Lehre als auch selbstorganisiert – in diesem Umfeld entwickeln muss. Da kritische Inhalte kein akademischer Selbstzweck sind, stellt sich zugleich die Frage, wie wir sie in die Gesellschaft jenseits der Hochschule zurücktragen können. Wir möchten uns deshalb über Erfahrungen mit verschiedenen Formen politischer Praxis austauschen und das breite Feld zwischen Bildungsarbeit, Aktivismus und Angewandter Kritischer Geographie beleuchten.

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